Die Digitalisierung erfasst das Handwerk

Presse-Information Nr. 1b vom 13.01.2016

NWHT mahnt Breitbandausbau und Förderung von Technologietransfer und Beratungsstrukturen an.

Der Nordrhein-Westfälische Handwerkstag widmet sein diesjähriges „Dreikönigsforum“ am Donnerstag in der WGZ-Bank in Düsseldorf dem Digitalen Wandel in der Wirtschaft, der auch das Handwerk zunehmend erfasst. Damit greift der NWHT zugleich einen Themenschwerpunkt auf, mit dem sich derzeit auch die Enquetekommission des Landtags zur Zukunft von Handwerk und Mittelstand intensiv befasst.

Der digitale Wandel ist ein Innovationsprozess, der sich auf nahezu alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft erstreckt. Es wäre verkürzt gedacht, wenn man unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ lediglich Veränderungen industrieller Produktionsprozesse und Arbeitswelten verstehen und beschreiben würde. In allen Wirtschaftssektoren und damit auch im Handwerk verändern sich durch die Digitalisierung Wertschöpfungsketten, Produktionsprozesse, Arbeitsstrukturen, Kooperationsformen zwischen Unternehmen und nicht zuletzt das Verhältnis zu den Kunden.

Daraus ergeben sich für die Betriebe und Belegschaften erhebliche Anforderungen: zusätzlicher Investitionsbedarf für digitale Ausrüstung, bessere Kooperationsfähigkeiten mit Unternehmen und Kunden und insbesondere höhere Qualifikationsanforderungen.

Auf den einzelnen Märkten des Handwerks zeigen sich die konkreten Herausforderungen bereits heute:

  • Die elektro- und informationstechnischen Handwerke können als Ausrüster für Digitalisierungs- und Netzwerktechnik erheblich profitieren,
  • in der Bauwirtschaft müssen die Betriebe ihre Kooperationsfähigkeit steigern, um anschlussfähig an integrierte Planungsinstrumente wie BIM (Building Information Modeling) zu bleiben oder an Veränderungen in der Logistik und Baustoffkennzeichnung;
  • im Ausbaugewerbe werden vor allem solche Betriebe einen Nachfragezuwachs erfahren, die die Montage und Wartung digitaler Haus- und Gebäudetechnik beherrschen,
  • im Kfz-Gewerbe sind digitalisierte Steuerungs- und Diagnosetechniken auf dem Vormarsch,
  • in der Gesundheitswirtschaft verändern die Möglichkeiten des 3-D-Drucks die Geschäftsprozesse und -Modelle der Betriebe,
  • für Betriebe der Personenbezogenen Dienstleistungen – etwa Friseure und Maßschneider - spielen die Online-Vermarktung von Produkten oder die Einbindung des Kunden in individualisierte Herstellung von Produkten zunehmend eine große Rolle.

Während viele große Unternehmen die Digitalisierung als strategisches Thema entdeckt haben und dadurch in Märkte des Handwerks eindringen, belegt eine aktuelle Vorstudie des Deutschen Handwerks-Instituts, dass kleine Betriebe bis zehn Beschäftigte, wie sie für das Handwerk typisch sind, noch großen Nachholbedarf an Aufmerksamkeit, geschweige denn an systematischer Befassung mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung ihrer Branche bzw. ihres Branchenumfelds haben; es mangelt an einer Beobachtung der Praktiken von Wettbewerbern, an Informationsbeschaffung und -Rezeption; an Fort-und Weiterbildung; und zumal an strategischer Ausrichtung des Unternehmens auf digitale Optionen in Betriebsorganisation, Produktion und Absatz.

„Das Land ist in der Pflicht, diese Prozesse zu fördern“, mahnte NWHT-Präsident Andreas Ehlert wirtschaftspolitische Unterstützung an. Das bedinge erstens, „zügig den notwendigen Breitbandausbau in der Fläche zu betreiben. Und zweitens, das leider im letzten Jahr still-gelegte Netzwerk für Technologietransfer zwischen Forschung in Handwerk rasch wieder zu aktivieren. Und drittens, die Beratungsstrukturen der Handwerksorganisation weiter zu entwickeln, wie dies die Digitale Agenda der Bundesregierung bereits vorsieht“, so Ehlert.