Andreas Ehlert (re.) und Christian Lindner in der FDP-Fraktionssitzung am 12. Mai 2015.
Susanne Kloempges
Andreas Ehlert (re.) und Christian Lindner in der FDP-Fraktionssitzung am 12. Mai 2015.

Handwerk rückt in den Fokus der Landespolitik

Statement von Präsident Andreas Ehlert

Eine Telearbeiterin entwirft zuhause auf ihrem HighPad ihren künftigen Arbeitstisch, bestellt das Möbel über das vom Tischlerverband genossenschaftlich betriebene Portal „YouDesign – WeForm“, ein angeschlossenes, auf 3-D-Druck spezialisiertes Handwerksunternehmen baut auf Basis der übermittelten Daten maßgetreu aus Polymerschaum Schicht für Schicht das gewünschte Objekt – und liefert binnen drei Tagen über die Plattform aus. So könnte eine Business-to-Consumer-Beziehung im Jahr 2020 aussehen. Welche Auswirkungen hätte eine derartige Wertschöpfungskette für Technologien und Arbeit, für Erträge und Qualifikationsstrukturen im Handwerk?

Mit solchen Szenarien und Fragestellungen wird sich ab dem Sommer eine Enquete-Kommission des Landtags befassen. Auf Initiative der FDP-Fraktion und ihres Vorsitzenden Christian Lindner. Eingesetzt von allen Landtagsfraktionen, die inhaltlich auch mitarbeiten werden. Ihr Kurztitel lautet schlicht: „Handwerks-Enquete“; im Fokus wird jedoch „Handwerk 4.0“ stehen.

Dass der Landtag in seiner Gesamtheit sich derart intensiv mit nichts weniger als der Zukunft unseres Wirtschaftsbereichs beschäftigen wird, ist ein besonderes Ereignis. In einem Bundesland, dessen Identität zuweilen etwas verengt als rein industriell geprägt propagiert wird. Was mich besonders freut: Zum zweiten Mal nach Dezember 2013, als es um die Zukunft des Meisterbriefs ging, haben mit der einmütigen Entscheidung für die Enquete-Kommission alle im Landtag vertretenen Parteien geschlossen Rückhalt für die Belange des Handwerks demonstriert. Der Tag der Beschlussfassung, der 20. Mai, war ein guter Tag für uns.

Die Arbeitsgruppen aus Parlamentariern aller Fraktionen und Experten aus der Wissenschaft und nicht zuletzt dem Handwerk selbst werden sich zielgerichtet und umfassend mit der Stärkung aller Ressourcen unseres Wirtschaftsbereichs befassen. Genauer: Sie werden die durch fortschreitende Digitalisierung von Produktion, Dienstleistung und Handelswegen beschriebenen Transformationsprozesse im Handwerk analysieren und konzeptionell durchdringen. Und dabei nach dem „Wie“ und dem Ausmaß der Veränderung fragen sowie nach Wachstumspotenzialen und Risiken. Und auch marktgerechte Strategie- und Kooperationsansätze für Unternehmen und ganze Branchen entwerfen.

Die Kommissionsmitglieder sollen darüber hinaus geeignete politische Flankierungsmaßnahmen aufzeigen, die das Handwerk in seiner Anpassungsbewegung an die digitalen Herausforderungen stärken könnten. Und hierbei alle wichtigen Faktoren einbeziehen: Die Qualifikation und den Fachkräftenachwuchs, die Gründungskultur und die Wettbewerbsbedingungen. Und selbstverständlich auch relevante Politikbereiche: Steuern und Abgaben, Infrastruktur und Bürokratie, Forschung und Entwicklung, Energie. Auch die unterschiedlichen politischen Ebenen werden zu beleuchten sein: EU, Bund, Land, auch die Potenziale der Selbstverwaltung des Handwerks.

Wir erhoffen uns Antworten darauf, auf welche Weise betriebliche Innovation gestärkt und finanzielle Spielräume für notwendige Investitionen geschaffen werden könnten. Wie neue Verfahren und Prozesse konkret dazu beitragen könnten, den sich abzeichnenden Mangel an Fachkräften teilweise zu kompensieren. Welche Aus- und Fortbildungsinhalte kommen müssen, um die qualitativ hochwertige, produktive Arbeit der Zukunft zu sichern.

Dass diese Antworten nun abseits des Gefechtslärms der Tagespolitik und jenseits ideologischer Grabenkämpfe im demokratischen Konsens erarbeitet werden, ist eine starke Botschaft: Das Handwerk rückt in den Fokus der Landespolitik.

Video: Statement Christian Lindner und Andreas Ehlert zur Zukunft des Handwerks

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