Konjunktur im NRW-Handwerk in 2015 über den Erwartungen

Presse-Information Nr. 1a vom 13.01.2016

Konjunktur im NRW-Handwerk in 2015 über den Erwartungen.
Umsatzplus bleibt aber ohne Beschäftigungsaufbau.
Für 2016 stabiler Trend erwartet.

Das nordrhein-westfälische Handwerk profitierte 2015 stärker als erwartet von der ausgeprägten Binnennachfrage. Die Umsatzprognosen des Vorjahres wurden bereits im laufenden Jahr leicht nach oben korrigiert. Nach aktuellen Schätzungen haben die 188.863 Handwerksbetriebe in NRW (+ 714 Firmen im Jahresverlauf) in 2015 einen Gesamtumsatz von 114 Mrd. Euro erzielt, ein Plus von (nominal) 2 Prozent (real 1 %). Dies sind die wesentlichen Eckdaten der Entwicklung im mit 1,1 Mio Erwerbstätigen (gleicher Wert wie Vorjahr) beschäftigungsstärksten Wirtschaftssektor des Landes.

Entsprechend gut ist flächendeckend die Stimmung im Wirtschaftsbereich. Das belegen die repräsentativen Konjunkturumfragen aller NRW-Handwerkskammern aus dem Spätjahr. In allen sieben Kammerbezirken beurteilten die Unternehmen die Geschäftslage aktuell besser als im Vorjahr.

Die generell positive Einschätzung der wirtschaftlichen Situation bildet sich nicht in allen sieben Branchengruppen des Wirtschaftsbereichs gleichermaßen ab. Zwar werden mit Blick auf die Umsatzhochrechnungen für die ersten drei Quartale des Vorjahres voraussichtlich alle Handwerksgruppen mindestens das Vorjahresergebnis erreichen. Markante reale Umsatzzuwächse in der Größenordnung von 3 Prozent und mehr werden allerdings lediglich im Kfz-Gewerbe und für die Gesundheitshandwerke erwartet.

Nur im letztgenannten Branchensegment der Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker und Sanitätshäuser schlägt die Hausse geringfügig auch auf die Beschäftigungsentwicklung durch. In allen anderen Branchenbereichen geht die Umsatzausweitung nicht mit einem Beschäftigungsaufbau einher.

Die Auftragsreichweite beträgt im Durchschnitt aller Handwerksgruppen rund sechs Wochen, im Bauhauptgewerbe aufgrund anhaltender lebhafter Bau- und Modernisierungsinvestitionen von privaten Auftraggebern („Betongold“-Sonderkonjunktur) derzeit acht Wochen. Allerdings hält das Baugewerbe nach mehr als zwei Jahrzehnten schwacher Investitionstätigkeit der Öffentlichen Hand und sich verschlechternder Rahmenbedingungen für Bieter und Bauausführende in diesem zweiten bedeutenden Marktsegment (siehe gesonderte Pressemitteilung zu den Marktverwerfungen im gemeinwirtschaftlichen Bausektor) insgesamt verringerte Kapazitäten vor; in den letzten vier Jahren verringerte sich die Zahl der tätigen Personen im Bauhauptgewerbe des Landes um rd. 4100.

Die Auslastung der Betriebe beträgt im Durchschnitt aller Branchengruppen 80 Prozent und liegt damit stabil auf Vorjahresniveau.

Immerhin hat sich das Investitionsklima endlich spürbar verbessert. Erstmals seit 25 Jahren übertraf die Zahl der Unternehmen, die ihre Ausgaben in Anlagen, Maschinen und Gerät steigerten, den Wert für jene, die gleich viel oder weniger investierten. Nach der Zurückhaltung der vergangenen Jahre sehen sich die Unternehmer durch das dauerhaft niedrige Zinsniveau und den intensiven Wettbewerb der Banken um solide Bonitäten wieder motiviert, mehr in ihre sächlichen Produktionskapazitäten zu investieren. „Für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe ist dies immens wichtig: Schon alleine die Digitalisierung wird dem Handwerk einen gewichtigen Modernisierungsschub abverlangen,“ zeigte sich der Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags Andreas Ehlert bei der Vorstellung seines Berichts zur Lage der NRW-Handwerkswirtschaft erleichtert. „Hier werden gleichermaßen große Anstrengungen nicht nur für die technische Umrüstung, sondern auch noch zum Aufbau und zur Erweiterung der digitalen Kompetenz der Mitarbeiter vonnöten sein“, mahnte Ehlert.

„Trotz gesellschaftlich und politisch unruhiger Zeiten ist das Vertrauen in eine Fortsetzung der guten Konjunkturlage bei den meisten Betrieben groß“, brachte Handwerkspräsident Ehlert die Auswertungsergebnisse auf einen Nenner. „Die von den Betrieben in der Herbstumfrage geäußerten Erwartungen lesen sich für alle Parameter überwiegend positiv.“

In seiner Prognose geht der NWHT für NRW von einem Umsatzwachstum im Handwerkssektor in Höhe von (nominal) 1,5 Prozent aus (real: + 0,5 %). Bezüglich der Beschäftigung fallen die Schätzungen vorsichtiger aus, „obwohl viele Unternehmen Bereitschaft signalisieren, mehr Mitarbeiter einzustellen,“ betonte Ehlert. Doch hätten die Firmen immer größere Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung offener Stellen mit geeigneten Fachkräften. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks bestätigt diese Wahrnehmung. Laut einer aktuellen Erhebung des ZDH trifft die Erfahrung „Fehlanzeige“ bei Stellenneubesetzungen mittlerweile auf mehr als jeden dritten Betrieb zu.