NWHT verabschiedet Positionspapier zur Flüchtlingspolitik

Presse-Information Nr. 1d vom 13.01.2016

Zehn essenzielle Schritte für eine gelingende Integration von Flüchtlingen in Qualifikation und Arbeit.

Das NRW-Handwerk hat wiederholt gegenüber Politik und Öffentlichkeit für sich in Anspruch genommen, zu einer Willkommenskultur für die Schutzbedürftigen aus den Kriegs- und Krisengebieten aktiv beizutragen. Maxime des Handelns ist dabei der Leitgedanke einer Integration der Flüchtlinge durch Bildung.

Ein aktuelles Positionspapier des Nordrhein-Westfälischen Handwerks listet nun die Anforderungsmerkmale auf, die aus Sicht der Unternehmen des Wirtschaftsbereichs für eine gelingende Integration der Flüchtlinge aus Kriegsgebieten unabdingbar sind. Adressaten sind Bund, Land, die Agenturen für Arbeit und die Kommunen. Folgende 10 Punkte stehen im Mittelpunkt der Ausarbeitung:

  1. Das Handwerk geht davon aus, dass bis 2019 100.000 Flüchtlinge in den NRW-Arbeitsmarkt zu integrieren sind. Das Handwerk will entschlossen und maßgeblich zum Erfolg dieses Ziels beitragen. Dazu bedarf es einer ausreichenden Unterstützung durch Bund und Land. Denn die Vorbereitung von Menschen auf Ausbildung und Beruf ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
  2. Berufliche Bildung ist ein Königsweg für berufliche Integration. Hier ist die Wirtschaft und ihre Kompetenz besonders gefragt. Denn berufliche Ausbildung erfolgt im Betrieb, unter Wettbewerbsbedingungen, und in der Regel mit dem Ziel langfristiger Beschäftigung. Es macht deshalb nicht nur Sinn, sondern ist unabdingbar, dass Handwerk und Wirtschaft an allen für eine berufliche und soziale Integration der Kriegsflüchtlinge wesentlichen staatlichen Rahmenbedingungen und Maßnahmen frühzeitig und verantwortlich zu beteiligen sind. Ausreichende Deutschkenntnisse sind eine Grundvoraussetzung.
  3. Im Handwerk stehen für die qualifikatorische und wirtschaftliche Integration im Lande grundsätzlich mehr als 100 Berufliche Bildungszentren zur Verfügung, in denen Sprachförderung und berufsvorbereitende Qualifikation kombiniert stattfinden können; darüber hinaus die Aus- und Weiterbildungs- sowie Anerkennungs- und Gründungs-Beratung der sieben Handwerkskammern.
  4. Diese flächendeckende Beratungsinfrastruktur der Handwerkskammern muss mit der Feststellung der Kompetenzen (Bildungs- und Berufsabschlüsse, Berufsfertigkeiten) und mit der Beratung und Arbeitsvermittlung der Arbeitsagenturen eng verzahnt werden, um passgenaue Qualifizierung und Beschäftigungsaufnahme zu ermöglichen.
  5. In Kooperation zwischen Arbeitsverwaltung und Ausländerbehörden sollte geprüft werden, ob die Zustimmung zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit auch grundsätzlich ohne Vorrangprüfung möglich ist.
  6. Bewerber um Ausbildung müssen eine klare Bleibeperspektive für die Dauer der Ausbildung plus mindestens zwei Jahre haben. Geduldete mit Beschäftigungserlaubnis müssen eine Berufsausbildung beginnen dürfen, auch wenn sie älter als 25 Jahre sind.
  7. Den Betrieben müssen bei Bedarf Ausbildungsbegleiter mit sozialpädagogischer Kompetenz an die Seite gestellt werden.
  8. Das NRW-Handwerk geht von mindestens 5.000 betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen aus, die der Wirtschaftsbereich – unter der Voraussetzung, dass Bund und Land mitziehen - qualifizieren und integrieren kann und will.
  9. Qualifikationsstandards im Handwerk dürfen in diesem Prozess nicht abgesenkt werden. Sofern junge Menschen mit Anlaufschwierigkeiten und Lerndefiziten nicht anders zu integrieren sind, können im Rahmen einer gestuften Ausbildung zweijährige Ausbildungen als Einstiegsberufe in den Fokus genommen werden.
  10. Integration kann nur erfolgreich sein, wenn durch entsprechende Impulse/ Anreize der Öffentlichen Hand Einfluss auf die Wanderungsbewegung von anerkannten Flüchtlingen dorthin genommen wird, wo die Arbeitsplätze sind.